Es ist wieder die Zeit des Jahres, in der Kinder sich in Geister und Monster verwandeln und die Straßen unsicher machen. Doch für einen ganz besonderen Bewohner des Gartens ist es die Zeit des großen Dramas und des Leidens. Wir haben mit einem Kürbis gesprochen, der uns seine ganz persönliche Halloween-Geschichte erzählt.

„Ich heiße Karl, und ich bin ein Kürbis“, beginnt unser oranger Gesprächspartner. „Jedes Jahr sehe ich, wie meine Freunde und Familienmitglieder aus dem Garten geholt werden. Erst sind sie weg, und dann sehe ich sie plötzlich wieder – mit gruseligen Gesichtern, leeren Augen und brennenden Kerzen in ihrem Inneren.“

Karl schluckt schwer. „Versteht mich nicht falsch, ich weiß, dass es eine Tradition ist. Aber könnt ihr euch vorstellen, wie es ist, wenn euer Cousin plötzlich mit einem Hexen-Hut oder Vampir-Zähnen vor euch steht? Es ist einfach gruselig!“

Er fährt fort: „Viele Menschen denken, dass wir Kürbisse dumm und gefühllos sind. Aber das stimmt nicht. Wir haben Gefühle, Träume und Wünsche. Mein größter Traum? Einmal als etwas anderes als eine Laterne oder Suppe zu enden. Vielleicht als Kürbiskuchen oder Marmelade. Das wäre doch mal was!“

Karl seufzt und schaut in den Himmel. „Ich wünschte, die Menschen würden verstehen, dass wir mehr sind als nur Dekoration. Wir sind Lebewesen mit eigenen Gedanken und Emotionen. Wenn ihr uns das nächste Mal seht, denkt daran, dass hinter jedem Gesicht eine Geschichte steckt.“

Er macht eine kurze Pause und fügt hinzu: „Und falls ihr euch fragt, warum wir Kürbisse immer so grimmig schauen: Würdet ihr lächeln, wenn ihr wüsstet, dass ihr bald ausgehöhlt und angezündet werdet?“

Das verborgene Leben eines Kürbis: „Wir haben auch ein Privatleben!“

Als die Straßenlaternen anfangen zu leuchten und die Kinder in ihren Kostümen herumlaufen, erzählt Karl, der Kürbis, von den weniger bekannten Aspekten des Kürbis-Daseins. „Wisst ihr“, beginnt er, „wir Kürbisse haben auch ein Privatleben. Nachts, wenn alle schlafen, treffen wir uns heimlich im Garten und tauschen die neuesten Klatschgeschichten aus. Wer hat das größte Gesicht bekommen? Wer musste dieses Jahr nicht als Suppe enden? Und natürlich unser jährliches Wettrennen – ja, wir können uns bewegen, wenn wir wollen!“

Karl kichert und fährt fort: „Einige von uns haben sogar Talente. Es gibt Kürbisse, die können singen. Andere sind wahre Meister im Geschichtenerzählen. Mein bester Freund Kurt, er ist ein wahrer Poet. Er hat einmal ein Gedicht über das Leben eines Kürbis geschrieben. Es war so rührend, dass wir alle Tränen in den Augen hatten – oder es wäre so gewesen, wenn wir Augen hätten.“

„Und dann gibt es noch die Mode unter uns Kürbissen“, fährt Karl mit funkelnden Augen fort. „Jeder denkt, wir sehen alle gleich aus. Aber das stimmt nicht! Einige von uns tragen Blätter als Hüte, andere schmücken sich mit kleinen Kürbiskernen. Es ist ein wahrer Modewettbewerb, und wir alle wollen das schönste Outfit haben!“

Er lacht und fügt hinzu: „Aber das Wichtigste ist, dass wir trotz all dieser Schwierigkeiten immer zusammenhalten. Wir sind eine große, orange Familie, und wir lassen niemanden zurück. Also, wenn ihr das nächste Mal einen Kürbis seht, erinnert euch an unsere kleinen Abenteuer und Geheimnisse. Und vielleicht, nur vielleicht, schenkt ihr uns ein kleines Lächeln.“

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Von Graphitstange

Abseits des Schreibens ist Graphitstange ein begeisterter Vogelbeobachter und Sammler von historischen Schreibgeräten, eine Leidenschaft, die ihm auch seinen ungewöhnlichen Spitznamen eingebracht hat. Er lebt derzeit in Berlin mit seiner Katze "Tinte" und plant, in naher Zukunft ein Buch über seine lustigsten und provokativsten Artikel zu veröffentlichen.

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